TIMSS

TIMSS 2015 ist der aktuelle Durchgang der größten internationalen Vergleichsstudie zu den mathematischen und naturwissenschaftlichen Leistungen von Schülern und Schülerinnen. TIMSS steht für „Trends in International Mathematics and Science Study“. Der Forschungsbericht zu den Ergebnissen aus Deutschland ist frei zugänglich:
https://www.waxmann.com/fileadmin/media/zusatztexte/3566Volltext.pdf

Deutsche Schülerinnen und Schüler zeigten am Ende der vierten Jahrgangsstufe eine auffällig schwache Leistung in Mathematik, was auch in den Medien Niederschlag fand (siehe z.B. den Spiegel-Artikel „Deutsche Schüler haben ein Mathe-Problem“, URL: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/timss-studie-deutsche-grundschueler-haben-ein-mathe-problem-a-1123472.html)

Die schwache Leistung der deutschen Schülerinnen und Schüler in Mathematik (signifikant schlechter als in den Vergleichsländern aus der EU und aus der OECD) ist allerdings allein durch das auffällig schlechte Ergebnis im Inhaltsbereich „Arithmetik“ (Rechnen) bedingt. Dieses schlechte Abschneiden am Ende der 4. Klassen, speziell im Rechnen - nicht in den Inhaltsbereichen „Geometrie/Messen“ oder „Umgang mit Daten“, könnte mit der verdrehten Zahlenaussprache im Deutschen zusammenhängen. Denn deutschsprachige Schülerinnen und Schüler müssen gegen die hergebrachte Aussprache der Zahlen das Stellenwertsystem erlernen. Aus mathematik-didaktischer Sicht torpediert diese Zahlbenennung im Deutschen eine strukturierte Zahlauffassung.

Somit ergibt sich aus den Ergebnissen von TIMSS unmittelbar die Hypothese („Zwanzigeins-Hypothese“), dass die verdrehte Zahlenaussprache im Deutschen eine nachteilige Auswirkung auf die mathematischen Leistungen der deutschsprachigen Schulkinder hat. Der Verein schlägt daher vor, dass diese Hypothese mit wissenschaftlichen Methoden empirisch getestet wird.

Der Vorstand hat die deutsche TIMSS-Projektleitung am Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund kontaktiert. Gemeinsam wurde im TIMSS-2015-Instrumentarium die spezielle Aufgabe M01_01 („convert words to numerals“) identifiziert, die zum Testen der Zwanzigeins-Hypothese geeignet erschien. Bei dieser Aufgabe wurden die Schulkinder gebeten, eine vierstellige Zahl, die in Worten geschrieben ist (z.B. viertausendachtundzwanzig) in Zahlen auszudrücken; gegeben waren vier Antwortoptionen im Multiple-Choice-Format. Auf Vorschlag von Frau Dr. Wendt, Erstautorin des deutschen TIMSS-2015-Berichts, wurde geprüft, ob sich die Fehlerhäufigkeiten in Deutschland und den fünf an TIMSS teilnehmenden asiatisch-pazifischen Staaten/Städten Singapur, Hong Kong, Korea, Japan und Taiwan entsprechend der Zwanzigeins-Hypothese unterscheiden, denn in diesen asiatisch-pazifischen Staaten/Städten wird stellenwertgerecht gesprochen. Die ermittelten Fehlerhäufigkeiten waren in Übereinstimmung mit der Hypothese: 8,3% vs. 4,0% (Unterschied statistisch signifikant). Weitere Aufgabenstellungen aus TIMSS scheinen nicht spezifisch geeignet, um die Hypothese weitergehend zu prüfen (Beispiele für solche spezifischen Aufgaben: siehe die Untersuchungen z Walisisch, Tamil, Chinesisch vs. Englisch). Der intensive Austausch mit Frau Dr. Wendt kann dem folgenden Protokoll zur Besprechung am 28.09.2017 (mit Nachtrag am 12.12.2017) entnommen werden.

Protokoll_Besprechung_28.09.2017_mit update 12.12.2017.pdf

Eine detailliertere Darstellung von TIMSS und der Ergebnisse dieser wichtigsten Studie zur Leistungsfähigkeit von Grundschulkindern in Mathematik im internationalen Vergleich kann den folgenden Texten entnommen werden: 

TIMSS_2015_verdrehte Zahlenaussprache_10Mai2017.pdf

Anhang_TIMSS_2015_verdrehte Zahlenaussprache_10Mai2017.pdf