AG „Vorschlag Zahlenaussprache”

Leitung: Florian Althoff

Es soll eine genauere Positionierung des Vereins zur Reform der Zahlenaussprache erfolgen. In dieser AG werden verschiedene Möglichkeiten der Zahlenaussprache und der dabei auftretenden Probleme bei der Zahlennutzung untersucht.

Die folgenden vorläufigen fünf Kriterien wurden zur Bewertung von Reformvorschlägen des Zahlenaussprachesystems genannt:

1) Transparenz: die reformierte Aussprache der Zahlen soll das Stellenwertsystem erkennen lassen

2) Dezimalität: die reformierte Aussprache der Zahlen soll die Basis 10 darstellen und die zehn Ziffern abbilden

3) Regularität: die reformierte Aussprache der Zahlen soll der Schriftrichtung folgen, im Deutschen also rechtsläufig sein (d.h. von links nach rechts)

4) Kürze: die reformierte Aussprache der Zahlen soll keine längeren Ausdrücke zur Zahldarstellung verwenden als die bisherige verdrehte deutsche Zahlenaussprache

5) Kohärenz: die reformierte Aussprache der Zahlen soll gemeinsam mit der bisherigen verdrehten deutschen Zahlenaussprache kollisionsfrei existieren können

Das Kriterium der Kohärenz ist wichtig, da die bisherige, verdrehte Zahlenaussprache als eingeschliffene, umgangssprachliche Alternative toleriert werden soll.

Ein Beispiel zur Anwendung der Kriterien: Interne Diskussionen haben bislang ergeben, dass der von Herrn Meyerhöfer favorisierte Vorschlag (siehe Literaturinfo) nicht als Vereinsvorschlag angenommen werden sollte. Als wesentliches Hindernis wird gesehen, dass eine Aussprache der Zahlen, wie im Chinesischen oder Walisischen (siehe Walisisch, Tamil, Chinesisch vs. Englisch), welche die Kriterien 1) bis 4) erfüllt, zu ernsthaften Konflikten mit der üblichen, verdrehten Aussprache führt, also Kriterium 5) verletzt. Beispiel: 40 als vier-zehn (kurz für „vier mal zehn“) zu sprechen, kollidiert mit der bisherigen Verwendung von vierzehn als 14. Ein solcher auf Konflikte mit der bisherigen Aussprache angelegter Vorschlag hat kaum Aussichten auf eine Umsetzung.

Die bisherige Basis des Vereins ist der Vorschlag von Herrn Woede.

Einige Aspekte, die von der AG erörtert werden sollen:

  • Schon „zehn-eins“ oder erst ab „zwanzig-eins"? Die Argumente sprechen für eine Reform bereits ab 11, vgl. die Ergebnisse der Arbeiten von Ann Dowker und Mitarbeitern zu den Nachteilen der irregulären englischen Zahlenbenennung von 11 bis 19 (siehe Walisisch, Tamil, Chinesisch vs. Englisch). Die Sondernamen "elf" und "zwölf" können als kurze Alternativbezeichnungen bestehen bleiben, da die bisherige Zahlenaussprache als umgangsprachliche Version toleriert werden soll.

  • Explizite Aussprache der Null am Ende in z.B. 40 („vierzig-null“), wie von Herrn Woede vorgeschlagen? Dies würde den Ausspracherhythmus der Zahlen vereinheitlichen (z.B. 39, 40, 41) und die Bedeutung der Null als Zahl unterstreichen (sie ist keine Leerstelle für eine fehlende Zahl). Die Kurzbezeichnung "vierzig" für "vierzig-null" könnte toleriert werden.

  • Aussprache der vollen Zehner: „dreizig“ vs. „dreißig“, „siebenzig“ vs. „siebzig“. Soll „zig" als Hinweis auf ein Vielfaches von 10 verwendet werden, und zwar speziell als Hinweis auf ein Zweifaches bis Neunfaches von 10,
    so wie von Schellenberger 1953 vorgeschlagen? Laut Duden steht zig" anstelle einer nicht genau bekannten, aber als sehr hoch angesehenen Zahl. Die strikter konstruierten Zahlennamen "einzig", "zweizig", "dreizig" und "siebenzig" könnten zusätzlich zu "zehn", "zwanzig", "dreißig" und "siebzig" toleriert werden.

  • Aussprache von Ordinalzahlen (Ordnungszahlen): "zwanzigerster" (wie von Herrn Woede vorgeschlagen) oder "zwanzigeinster"?
  • Aussprache von Jahrzehnten und Jahrhunderten, sowie von Hubraumangaben bei Fahrzeugen
    (üblich ist z.B. neunzehnhundert Kubikzentimeter")

  • Aussprache von Uhrzeiten ("14 Minuten vor 11", "halb 12","11 Uhr 11"); Sonderschreibweise mit Doppelpunkt (12:53 Uhr), um anzuzeigen, dass kein Zehnersystem gemeint ist.

  • Aussprache von Datumsangaben, wie 15.11.1995

  • Aussprache von Gliederungszahlen („erstens", „zweitens", „drittens", ..., "zehn-erstens", ....)

  • Aussprache von Brüchen und Kommazahlen wie von Herrn Woede vorgeschlagen? 

  • Gemischte Brüche: 20 3/4 als "zwanzig und drei durch vier" (oder "zwanzig und drei viertel") sprechen im Unterschied zu 23/4 ("zwanzigdrei durch vier" oder "zwanzigdrei viertel").

  • Kommazahlen: Grundaussprache als Zeichenkette hinter dem Komma, d.h. 3,1415 m als "drei Komma eins vier eins fünf Meter". Zahlen mit Maßeinheit, wo die nächstkleinere Einheit als Prozentwert der größeren existiert, z.B. 2,71 € als "zwei Komma sieben eins Euro" oder alternativ als "zwei Euro siebzig-eins Cent" bzw. kürzer als "zwei Euro siebzig-eins". Jedoch nicht 3,72 km als "drei Kilometer siebzig-zwei" sprechen oder als "drei Komma siebzig-zwei Kilometer", da die nächstkleinere Einheit (m) nicht 1 % von 1 km ist. Korrekt: "drei Komma sieben zwei Kilometer".

  • Aussprache von Ziffernketten ohne Zahlbedeutung (Beispiele: IBAN, Telefonnummer, Postleitzahl) als Ziffernfolge sprechen oder in Zahlengruppen? Sinnvoll erscheint die Ziffernfolge, wenn keine natürliche Ordnung in Gruppen vorgegeben ist.

  • Aussprache in Redewendungen ("Jetzt schlägt's 13!") als Ausnahmen belassen?

  • Aussprache von Eigennamen ("4711") las Ausnahmen belassen?

  • Vergleiche mit Norwegen im Bereich der Umsetzungsprobleme anstrengen, um solche im Vorfeld zu minimieren.

  • Kontaktaufnahme zu Herrn Meyerhöfer und Herrn Gaidoschik (vgl. Literaturinfo und Unterrichtsversuche)

Das Ziel der AG ist die Verabschiedung eines Positionspapiers des Vereins zum Ende des Jahres 2018. Dies Papier soll in MS Word entwickelt und als Umgebung wahrscheinlich Moodle eingesetzt werden.

Die Mitarbeit in der Arbeitsgruppe steht allen Vereinsmitgliedern offen. Bei Interesse bitte Meldungen an den Vorsitzenden (peter.morfeld@rub.de).